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Der türkische Autorenfilm "Süt": Klare, poetische Bilder im Kino

Von: Peter Fuchs
Vor 1 Tagen 0 Stunden 27 Minuten

Süt heißt übersetzt Milch, "Süt" heißt auch der neue Film des türkischen Autorenfilmers Semih Kaplanoğlu. "Süt" beginnt mit einer schlichten, aber merkwürdigen Szene: Ein junges Paar wartet in einem Garten auf einen alten Mann. Als dieser Zeit für sie hat, hängen die zwei Männer die Frau kopfüber an einen Baumast, unter ihr schwelt Rauch. Bald schon züngelt aus dem Mund der Frau eine Schlange.

Nach diesem suggestiven Bild startet die eigentliche Handlung. Der junge Yusuf lebt bei seiner Mutter am Rande einer anatolischen Kleinstadt. Auf dem Markt verkaufen sie Käse, den sie aus der Milch ihrer beiden Kühe herstellen. Die Arbeit ist hart und bringt wenig ein. Die Geschäfte gehen immer schlechter, denn mit zunehmender Modernisierung und der Entstehung von Neubauvierteln gehen immer mehr Menschen in die neuen "europäischen" Supermärkte. Die Mutter verlangt von Yusuf, durch geregelte Arbeit zum gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen. Aber Yusuf träumt in den Tag hinein und schreibt Gedichte. In seinem Zimmer hängt ein Bild von Rimbaud. Als eines seiner Gedichte in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht wird, wächst in ihm der Wunsch nach künstlerischer Selbstverwirklichung und Anerkennung. Gleichzeitig verliebt sich die Mutter in den örtlichen Bahnhofsvorsteher und entdeckt ihre Weiblichkeit wieder. Plötzlich ist Yusuf nicht mehr der einzige Mann in ihrem Leben. Damit hat er nicht gerechnet.

Ei, Milch und Honig

Von aufbrechenden Konflikten im traditionell geprägten Rollenverständnis zwischen Mutter und Sohn erzählt der Film in Einstellungen, die geometrisch abgezirkelt angelegt sind. Es gibt keine Kamerafahrten. Dadurch erzählt Semih Kaplanoğlu die Geschichte u naufgeregt und ruhig. Nur einmal ist die Kamera in Bewegung und schwankt. Mit ihr natürlich auch Yusuf, dessen Leben aus der Bahn geworfen wird.

Auffallend: Den ganzen Film bekommen wir kein Gedicht von Yusuf zu lesen oder zu hören. Aber vermutlich kriegen wir sie den ganzen Film über in den surreal anmutenden Szenen zu sehen. Klare Bilder in einem geheimnisvollen und spannenden Film, der sich nicht allein erklärt: "Süt" ist das Mittelstück einer Trilogie, die Semih Kaplanoğlu 2007 mit "Yumurta" (Ei) begann. Der dritte Teil "Bal" (Honig) läuft im Wettbewerb der 60. Berlinale, die im Februar beginnt.

"Süt"(Türkei, Deutschland, Frankreich 2008)Regie: Semih Kaplanoğlu mit: Melih Selçuk, Başak Köklükaya, Riza Akin, Serif Erol,Saadet Işil Aksoy, Semra Kaplanoglu u.v.m.ab 14. Januar im Kino

www.suet-derfilm.de